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INTERVIEW mit Kerstin Stechl

Kerstin Stechl ist ein visueller Mensch. Über das „Sehen“, die optischen Eindrücke, möchte sie Gefühle und sinnliches Erleben transportieren. Denn Stimmungen lassen sich leicht über Farben und Formen beeinflussen. Die Themen und Objekte dürfen in Kerstin Stechls Malerei aber nicht zu eng gefasst sein, denn fertig Ausformuliertes steht fest für sich und lässt zu wenig Platz für Phantasie. Konkrete Themen dagegen, die sehr frei interpretiert und expressiv umgesetzt werden, lassen genügend Raum zum Träumen. Deshalb lautet Kerstins Credo: „Malerei ist Poesie aus Form und Farbe!“

 

? Was willst Du dem Betrachter mit Deiner Malerei sagen?

Oh, muss man als Malerin oder Maler denn überhaupt einen Sendungsauftrag erfüllen? (lacht) Nein, Spaß! Ich male, weil es mir Freude bereitet. Und ich fühle mich bei bestimmten Bildthemen mit ausgesuchten Farben und Formen einfach wohl. Und dieses sinnliche Erlebnis möchte ich gerne weitergeben.

 

? Bist Du eher in der konkreten oder abstrakten Malerei zu Hause?

 Wir leben in einer so unglaublich hochtechnisierten Welt, in der für Spielerisches kaum noch Raum bleibt. Von daher erklärt sich die Frage von selbst: Ich gebe auf jeden Fall ein konkretes Motiv vor, das man ganz klar erkennen kann. Dann aber setzte ich es sehr spielerisch um. Während des Malprozesses entferne ich mich immer mehr vom ursprünglichen Motiv, löse mich von den Formen, setze die Farben impulsiv ein. Am Ende ist das Werk eine individuelle, sehr expressive und sinnliche Umsetzung des eigentlichen Objekts. Und die darf alles sein, nur nicht realistisch. Um zur Frage zurückzukommen: konkret oder abstrakt? Weder noch, eher phantastisch! (lacht)

 

? Warum so ein großer Fokus auf der Phantasie?

Das hat vielleicht mit meinem anderen Beruf zu tun. Als Journalistin bin ich zu 100 Prozent der Wahrheit verpflichtet. Immer! Da ist einfach kein Spielraum. Man sortiert Dinge ein, die verworren erscheinen, und bringt dem Empfänger größtmögliche Klarheit!

In der Kunst sind die Freiheiten dagegen enorm, egal, in welchem Medium. Bei Musik, Dichtung oder Malerei. Mein Medium ist hauptsächlich die Malerei, und da kann ich mich von dem starren Korsett der Realität befreien, dem Zwang, immer „das Richtige“ tun zu müssen. Hier entscheide nur ich. Meine Freiheit in der Malerei – in der Kunst generell -  ist total.

 

? Wie bist Du zur Malerei gekommen?

So, wie man als Kind mit dem Stift in der Hand eben so anfängt. Ich habe mich beim Malen immer schon „verloren“! Da war ich immer ganz bei mir, rein privat. Und so ging es weiter, über mehrere Lebensphasen hinweg.

In der Zeit habe ich viel ausprobiert, mir viel angesehen. Dann, eines Tages, habe ich mich entschieden, einen professionellen Weg einzuschlagen und noch einmal ganz von vorne angefangen. Der Meisterstudiengang „Zeichnung und Malerei“ bei Prof. Markus Lüpertz war so eine Art Katalysator für mich. Darüber habe ich viele Künstler kennengelernt, mit denen ich heute ein großes Netzwerk pflege. Abgesehen davon, dass mir der Austausch Spaß macht, ist es wichtig, im Geflecht mit den Künstlerkollegen seinen eigenen Referenzpunkt zu finden. Ich finde, dass man in der Auseinandersetzung mit anderen Künstlern sein eigenes Profil ganz gut schärfen kann.

 

? Was unterscheidet Deine Malerei von anderen Künstlern und Künstlerinnen?

Im Prinzip machen alle das Gleiche: Farbe mit Pinsel auf Leinwand. Aber was macht mich als Malerin so besonders, so individuell? Ich denke, meine konkret-phantastischen Motive, vermischt mit meinen expressiven, sinnlichen Farben und Formen. Und nicht zuletzt der kraftvolle Duktus mit Pinsel und Spachtel.

Damit schaffe ich meine eigene Poesie, nicht in Wort und Schrift, sondern in Form und Farbe. Für mich, und für jeden Betrachter, der sich auf die Reise in meine Phantasie einlassen will.

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