INTERVIEW mit Barbara Scholz-Evans

Kunst ist wie Zauberei. Wir schöpfen aus dem scheinbaren „Nichts“ (z.B. leere Leinwand) und erschaffen ein neues „Etwas“, eine neue Wirklichkeit. Darin kommen Gedanken, Gefühle, Erfahrungen in eigener Handschrift bildlich zu Ausdruck.

„Die Entfaltung der schöpferischen und darstellenden Elemente...geschieht als lebenslanger Prozess“

     Markus Lüpertz

? Wie kamst du zur Kunst?

  Davon abgesehen, dass ich als Kind und Jugendliche schon immer gern gezeichnet,  gemalt und geformt hatte, habe ich mich bei einem 5-jährigen Aufenthalt auf Kreta auf meine Lust und mein Talent besonnen und habe angefangen, Silberschmuck herzustellen. Zurück in Frankfurt nahm ich an einem Frauenprojekt teil, in dem wir Halogenlampen und andere Gebrauchsobjekte mit künstlerischem Design aus Industrieabfällen und Schrott hergestellt haben. Da habe ich auch schweißen gelernt.

Danach folgten neben meinem Beruf als Kommunikationstrainerin Studien und Kurse  in Malerei, Bildhauerei und Grafik an der Frankfurter Städel-Abendschule, der Freien Kunstakademie Frankfurt, der Europäischen Kunstakademie Trier und anderen Institutionen. Jetzt bin ich nicht mehr berufstätig und kann mich voll und ganz der Kunst widmen. 

Zur Zeit nehme ich an einem Studiengang „Zeichnen und Malerei“ bei Prof. Markus Lüpertz in der Akademie für Bildende Künste in Kolbermoor teil und bin jetzt in der Meisterklasse.

 

? Was machst Du zur Zeit am liebsten?

  Im Moment steht die  Malerei an erster Stelle, fast gleichrangig  kommt Radierung und zuletzt Objektkunst. Das kann sich aber je nach Projekt auch leicht ändern. Vor einigen Jahren stand die Bildhauerei und Objektkunst im Vordergrund, weil ich mit einer Bildhauergruppe bei einer sehr guten Künstlerin gearbeitet hatte, wo regelmäßig intensive  Werkbesprechungen stattfanden. Das war mir ungeheuer wichtig. Manchmal bin ich in den drei Bereichen parallel beschäftigt. Mit Videokunst hatte ich es auch mal probiert, das war mir aber dann zu viel Technik und ich habe es aufgegeben. 

 

? Hast du im Moment ein Projekt in Malerei?

  Ja, momentan male ich kleine Formate in Eitempera und bin mit der Konzeptionierung und Vorbereitung für zwei Ausstellungen beschäftigt. da werden die Bilder wieder größer. Einmal für die Ausstellung meiner Künstlergruppe PrismO in Oberursel zum Thema „1001 Nacht“ und dann für eine Ausstellung im BBK Frankfurt zum Thema „Nachhaltigkeit“. Abstrakte Bilder ohne besonderes Thema male ich aber weiterhin.

 

? Malst du eher gegenständlich oder abstrakt?

  Beides. Wenn ich ein bestimmtes Thema habe, male ich meistens gegenständlich und mit Ölfarbe, bei den abstrakten Bildern male ich ziemlich flüssig mit Acrylfarben oder Eitempera und lasse  mich treiben, wohin mich die Komposition führt. 

 

? Hast Du ein bestimmtes übergeordnetes Thema in Deiner Kunst?

  In der Objektkunst verarbeite ich gern Wegwerfprodukte, bringe oft auch organisch/anorganisches in Spannung zueinander und in einen neuen Kontext.

In der gegenständlichen Malerei beschäftige ich mich  häufig mit sozialkritische Themen.

 

? Arbeitest Du eher allein oder in Gemeinschaft?

  Der Austausch mit anderen ist mir wichtig und regt mich nachhaltig an. Nicht umsonst bin ich in einer Ateliergemeinschaft und beteilige mich gern an Kursen und Studiengängen. Manchmal male ich zusammen mit einer oder mehreren FreundInnen, treffe mich mit meiner Bildhauergruppe und wir arbeiten an Wochenenden oder ganze Wochen zusammen und besprechen unsere Werke gemeinsam.  Aber wenn ich mit einem Werk beschäftigt bin,  arbeite ich auch gern konzentriert allein. 

Ich bin Mitglied in der Oberurseler Künstlergruppe „PrismO“, und hier im Netzwerk „Die Spinne“ 

? Hast Du Ziele in Deiner Kunst?

  Ich möchte das Gegenständliche und das Abstrakte mehr verschmelzen, also an der Auflösung des Gegenständlichen arbeiten, ohne es ganz aufzugeben. 

Ab und zu verkaufe ich auf Ausstellungen, es könnte aber mehr sein, nicht nur wegen des Geldes; denn glücklicherweise muss ich von meiner Kunst nicht leben. Ich finde, die Bilder sollen aus der privaten Ecke raus in die Welt. Deshalb möchte ich  meinen Präsentationsradius ständig erweitern: Ausstellungen, Galerien, Messen usw. Im regionalen Bereich ist es mir schon ganz gut gelungen, ich nehme an  relativ vielen Gemeinschaftsausstellungen teil, auch mal hier und da eine Einzelausstellung und veröffentliche meine Werke in den sozialen Netzwerken, aber der Radius kann sich gern noch erweitern. Daran arbeite ich. 

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