INTERVIEW mit Astrid Trost

Kannst Du uns bitte kurz Deinen Weg in die Malerei skizzieren?

√ Ich wollte wissen, warum mich manche Bilder emotional so stark berühren konnten. Ich hatte so viele Fragen, die alle in einer mündeten: wie funktioniert Malerei ? Zwei Beispiele dazu: ich hätte mich total in den Farbraum von Mark Rothko hineinlegen mögen, spürte ein körperliches Kribbeln als ich vor seinen Bildern stand. Das war ein starkes Erlebnis, weil es so ohne Nachdenken nur übers Fühlen passierte. Und etwas Ähnliches geschah vor einer friedlichen Landschaft von Franz Hodler. 

 

Hast Du eine grundlegende künstlerische Ausbildung, nutzt Du das Angebot von Kunstakademien, bist Du reiner Autodidakt etc?

√ Ich komme aus einem ganz bürgerlichen Leben mit Job, Haushalt, Kindern und zusätzlichem Ehrenamt. Aber diese Faszination der Malerei und was sie bei mir auslöst ging einfach nicht weg. Ich schmiss also meinen Nebenjob und Ehrenämter und begann eine Grundlagenausbildung und belegte verschiedene freie Kurse, bis ich mich dann an der Akademie beworben habe.

Bist Du ein „abstrakter“ oder ein „gegenständlicher“ Maler?

√ Tja, ich glaube ich mische zur Zeit. 

 

Wie entstehen Deine Bilder? Hast Du vorher einen Plan oder gehst Du ganz frei an die weisse Leinwand heran?

√ Meistens habe ich einen Plan, eine Idee von dem Raum oder eine halbe Idee und fange an. Daraus ergibt sich dann auch mal ein neuer Plan. Wenn ich keinen Plan, also auch keine Skizze auf Papier oder im Kopf habe, den genieße ich die weiße Leinwand wie eine große Freiheit. Sauge diese Weite auf und verbinde mich mit meinem Inneren, dann spüre ich schon, was sichtbar werden will. Das ist ein tolles Spiel. Da kann ich ganz bei mir selbst sein, großartig. Allerdings heisst das nicht, dass daraus auch ein gutes Bild entsteht. Es ist einfach eine große Freude. 

 

Kannst Du Deine gemalten Bilder kurz beschreiben?

√ Fällt mir schwer: Räume, ruhige Lebendigkeit, Fragen auf Leinwand, Atmosphäre? 

 

Wie lange arbeitest Du durchschnittlich an einem Bild?

√ Ich arbeite Wochen an einem Bild, manchmal Monate. Ich habe meistens parallel zwei oder drei Bilder in der Arbeit. Zwischendurch ruhen die Bilder und reifen im Kopf nach. Ich muss nachdenken, was mir noch nicht passt daran. Dann nehme ich es mir nochmal vor. Das dauert. 

 

Wie zufrieden bist Du mit Deinem Werk, wenn es fertig ist?

√ Wenn ich spüre, dass es fertig ist: GEIL…Stolz, Vollkommenheit, Liebe und dann loslassen. Das ist ganz intensiv.

 

Übermalst Du Bilder?

√ Jo. Sogar mehrfach. 

 

Denkst Du, dass Du einen Stil hast, an dem man Dich bzw. Dein Werk erkennen kann?

√ Könnte sein. Vielleicht können das andere Betrachter eher beantworten? 

 

Hast Du einmal versucht, einen anderen Stil (abstrakt, gegenständlich) auszuprobieren? Wie ist es Dir dabei gegangen?

√ Ja, ich habe schon einiges ausprobiert und ich mag, es immer wieder Neues auszuprobieren. Das ist ja eine Reise, nimm mal einen anderen Weg, schau mal, was dir da begegnet. Grenzen überschreiten, Komfortzone verlassen. Schwer, aber immer ein Erlebnis. 

Wie siehst Du Deine aktuelle Tätigkeit als Künstler? Malst Du jeden Tag im Atelier oder nur sporadisch?

√ Wenn es das äußere Leben zulässt, bin ich im Atelier. 

Wie wichtig ist Dir der Austausch mit anderen Künstlern? (Netzwerk. Ateliergemeinschaft. Stammtisch).

√ Ein Austausch finde ich so wichtig, ich möchte unbedingt mehr und intensiver ins Details gehen im Austausch. Aber ich habe leider keinen solchen Stammtisch. 

 

Wenn Du Deine Stellung als Künstler in der Gesellschaft beurteilst: wie groß ist die Anerkennung?

√ Meine Kunst hat noch nicht so richtig den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Pandemiebedingt. Anerkennung habe ich aber schon sehr viel erhalten. 

 

Wenn Du Dich selbst betrachtest: wie bist Du mit Dir und Deiner Tätigkeit als Künstler zufrieden? Hättest Du lieber einen „vernünftigen“ Beruf erlernt?

√ Ich habe eine Beruf erlernt und damit Geld verdient. Mit meinem Künstlerberuf bin ich nun glücklich und das war ich vorher nicht. 

Gab oder gibt es heute Situationen, in denen Du die Tätigkeit als Maler komplett aufgeben wolltest?

√ Nein! Wenn Zweifel kommen, dann denke ich an die Worte unseres Meisters: du musst (vor allen anderen) an dich glauben, sonst tut das auch niemand anderer. 

 

Die Vermarktung Deiner Person als Künstler ist ja ein diffiziles Thema! Bist Du der Ansicht, dass der Künstler das selbst machen sollte oder besser über einen Agenten bzw. eine PR-Agentur?

√ Gute Frage, ein Netzwerk wäre toll !! 

Für wie wichtig hältst Du - für Deine öffentliche Darstellung - die Prominenz Deiner Lehrer, Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen und Internationalität?

√ Ich denke, dass hat einen Wert nach außen hinsichtlich der Aufmerksamkeit. Sagt aber nichts über meine Qualität oder die eines anderen Künstlers aus. Ein schmaler Grad zwischen Effekt und Nutzen? Ich bin nicht sicher, da fehlt mir ebenfalls Erfahrung. 

 

Wie gestaltet sich Dein Verkauf? Hast Du eine Galerie, die Deine Bilder verkauft?

√  Ich habe bis jetzt im persönlichen Kontakt und über meine Webseite verkauft. Eine Galerie habe ich bis jetzt nicht. 

Die Online-Medien sind auf den ersten Blick für die Vermarktung und für den Verkauf sehr reizvoll. Was sind Deine Erfahrungen, welche Medien nutzt Du und was ist Deine Meinung darüber?

√ Online Medien nutze ich und dienen mir auch. Ich glaube, das Internet setzt sich doch durch ;) 

Hast Du einen „Schlüssel“ für die Festlegung Deiner Bilderpreise? Gibt es Kriterien, nach denen Du den Preis „errechnest?

√ Ja, ich berechne meine Preise mit dem üblichen Faktor und wäge es dann noch mit Größe und Material ab. 

Wenn Du ein Bild verkauft hast: was bereitet Dir daran besondere Freude?

√ Dieser Moment wenn mein Bild den Raum verändert und es so genau dort hin gehört. Das fühlt sich für mich wie ein Geschenk an. 

 

Der Besuch von Ausstellungen, Museen und Galerien gehört ja zur Tätigkeit eines Künstlers dazu. Welche Ausstellung der letzten Jahre hat Dich am meisten beeindruckt oder gar beeinflusst?

√ Der ist ja pandemiebedingt schon einige Zeit her…. an was erinnere ich mich spontan? Die mir total unbekannten Arbeiten und Fotografien von Gabriele Münter. Kippenberger und Lassnig - Bodycheck. 

 

Welchen Stellenwert nimmt die Kunst | Malerei allgemein in Deinem Leben ein?

√ Kunst und Leben sind im Moment zwei verschiedene Abteilungen, die noch zusammen gepuzzelt werden. Viele Dinge des Lebens reflektiere ich allerdings im Nachhinein als Künstlerin, insofern ist es wieder eins und immer bedeutend. 

 

Willst Du mit der Deiner Kunst Etwas erreichen?

√ Ich möchte mit meiner Kunst Gefühle, Stimmungen ausdrücken. Wenn sich das transportiert, dann habe ich etwas erreicht. Und das berührt mich wiederum. 

 

Was hat Deine künstlerische Tätigkeit für Dich persönlich gebracht?

√ Ich bin in meinem Leben angekommen.

 

Du hast Dir sicher schon einige Gedanken zum Thema Kunst gemacht. Versuche, selbst einen Satz zu formulieren, der Dein Gefühl zur Kunst im Allgemeinen beschreibt.

√ Kunst kann etwas in Bildern /Videos /Skulturen/ Papieren etc. ausdrücken. Wenn du Worte für diesen Ausdruck finden möchtest, dann sind da Grenzen. Diese Grenzen gibt es in der Kunst nicht. 

 

Versuche einen Satz zu formulieren, der andere Menschen überzeugen soll, auch künstlerisch tätig zu werden.

√ Künstlerisch tätig zu sein, kreativ zu sein, bedeutet sich selbst , sein eignes inneres Selbst auszudrücken. Das kann jede*r und unterliegt keinerlei Können, sondern Mut und Zutrauen alles zuzulassen. Wenn das gelingt kannst du eine große Freiheit erleben, die es in der zivilisierten Welt so nicht gibt, weil es überall Regnen und Grenzen gibt…s.o. 

 

Versuche einen Satz zu formulieren, der andere Menschen davon abhalten soll, mit Kunst Geld verdienen zu wollen bzw. sogar den Lebensunterhalt zu verdienen.

√ Geld verdienen und Kunst, schwierig, aber machbar. Ich weiß nur nicht wie.

 

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